Die Stärke von KI und Blockchain in der Transparenz-Debatte

Das digitale Umfeld wächst und wächst – es gibt immer mehr Geräte, die digital genutzt werden und immer mehr Angebote, die nur online abgerufen werden können. Angesichts der damit verbundenen Nutzer-Wanderungen müssen die Budgets für Online-Marketing-Ausgaben naturgemäß steigen, vor allem der Programmatic-Invest wird massiv zulegen. Wie Technologieanbieter mit Hilfe von KI und Blockchain das mit Programmatic eng verwobene Transparenzproblem angehen können, erklärt Patrick Edlefsen (Bild unten), Managing Director DACH, Sizmek, in diesem Beitrag für ExchangeWire.

Laut einer e-Marketer Prognose aus dem Januar 2018 erwarten wir in Deutschland bis 2019 einen Umsatz von knapp 1,5 Milliarden Euro. Dass Transparenz also noch immer das Thema der Stunde ist, in der sowohl die globale Stimme von Unilever CEO Keith Weed, als auch die der deutschen OWM-Vorsitzenden Tina Beuchler nachhallen, ist wenig verwunderlich – denn auf lange Sicht wird ein transparentes Marketing die Branche nachhaltig verändern und antreiben.

Patrick Edlefsen, Sizmek

Es ist kein Geheimnis, dass Werbetreibende und Marketer in den frühen Jahren des programmatischen Zeitalters Transparenz, Kontrolle und Wissen zu Gunsten der Performance hintenangestellt hatten. Die Komplexität zu durchdringen schien nicht unbedingt notwendig – war es doch nur eine neue Art der Kampagnen-Aussteuerung im Mediaplan. Mit der wachsenden Bedeutung von Programmatic verändert sich nun der Anspruch der Marketer: In einer Werbewelt, in der astronomische Budgets programmatisch ausgegeben werden, reduzieren Faktoren wie Ad Fraud, Viewability und intransparente Gebühren von Agenturen und Technologiepartnern maßgeblich das Budget, das tatsächlich in die Mediabuchungen fließt. Ein Zustand, der hinterfragt werden muss. Gleichzeitig sind Daten inzwischen längst das neue Gold – Werbetreibende wollen und müssen Zugriff auf ihre Kampagnendaten erhalten, um zielgerichtet Erfolge einzufahren. Sie fordern in einer immer stärker programmatisch getriebenen Marketing-Maschinerie am Ende des Tages also mehr Partnerschaft auf Augenhöhe, um Effizienz auf allen Ebenen zu erreichen.

Technologieanbieter haben nun eine echte Chance, ihnen Lösungen zu bieten, die den Online-Werbemarkt in eine transparente Zukunft führen können. Zwei Entwicklungen können ein zentrales und nachhaltiges Fundament legen: Künstliche Intelligenz und die Blockchain.

Insights und tiefgreifende Daten-Analyse durch KI-Einsatz

Führende Technologie-Anbieter treiben den Einsatz Künstlicher Intelligenz bereits massiv voran, denn sie bietet enorme Vorteile, auch in der Transparenz-Frage. Betrachtet man die Datenmenge, mit der im Marketing heute hantiert wird, braucht es maschinelle Unterstützung, um dieser Masse Sinn zu geben und sie intelligent einsetzen zu können, damit Nutzer zielgerichtet mit der richtigen Information angesprochen werden. KI-getriebene Systeme geben Marketern die Insights, die sie brauchen, um Datensätze einer Kampagne zu analysieren und basierend auf den dann erkennbaren Mustern zu entscheiden, wie bestmöglich nach den entsprechenden KPI’s optimiert werden kann.

Nur mit diesem offenen Zugang zum Datenschatz können Werbetreibende dank KI aussagekräftige Rückschlüsse ziehen, wie effektiv Budgets eingesetzt werden und welchen erkennbaren Einfluss das auf den ROI hat. Eine solche Plattform-Offenheit und Informationsdichte ist das Gegenstück zu den Walled Gardens und kann aus meiner Sicht nur nachhaltig das Vertrauen in der Zusammenarbeit zwischen Brands, Agenturen und Tech-Anbietern steigern. Bei der Entscheidung für eine Partnerschaft sollte die angebotene Technologie daher auch nach ihren KI-Fähigkeiten bewertet werden.

Authentizität und Integrität mit der Blockchain

Einen noch größeren Schritt in ein transparentes Marketing der Zukunft bedeutet die Blockchain. Auch wenn der Einsatz im Marketingumfeld noch mehr einer Vision entspricht – warum es bereits jetzt wichtig ist, sich praxisorientiert mit ihren Möglichkeiten auseinanderzusetzen, verdeutlicht sich, wenn man überlegt, welche Transformations-Kraft in den Funktionen einer Blockchain stecken kann.

Bots und Fake Profile sind momentan die größten Schädlinge im Marketing. Blockchain-Plattformen können die Authentizität von Nutzern auf mehreren Ebenen verifizieren, z.B. über Ad Instance IDs, Zeitstempel oder Metadaten. Werbeausspielungen über den Adserver können über die Blockchain kontrolliert und zu jeder Zeit um relevante Informationen ergänzt werden. Nutzer können so über die Interaktionen mit der Anzeige als anonyme aber gleichzeitig reale Person identifiziert werden, Bots werden ausgesiebt und das Targeting wird langfristig immer spezifischer. Dadurch durchläuft die gesamte Delivery-Plattform einen Wertschöpfungsprozess und sammelt signifikant bessere Echtzeit-Daten zur weiteren Nutzung.

Gleichzeitig bedeutet die Blockchain ein neues Level der Datenverwaltung mit entsprechender Sicherheit und kann gerade im Zuge der DSGVO ein Meilenstein sein – sowohl für Brands, als auch Nutzer. Brands können ihren Datenschatz transparent verwalten und überblicken, wer wann Zugriff nimmt. Nutzern bleibt dabei stets die Hoheit über ihre eigenen Daten, deren Einsatz sie selbst kontrollieren können.

Übrigens: Nicht nur für Werbetreibende entsteht dadurch mehr Transparenz. Auch der Konsument kann im Blockchain-Zeitalter die Integrität werbetreibender Unternehmen überprüfen – hält das Produkt sein Nachhaltigkeitsversprechen? Unter welchen Bedingungen wird es hergestellt? Die Blockchain legt zentrale Informationen offen und nimmt Unternehmen in die Verantwortung, ehrliche Markenkommunikation zu betreiben.

Der Markt ist in der Verantwortung, die transparente Zukunft zu gestalten

Technologieanbieter, die das Potential der Blockchain bereits heute erkennen, werden auf lange Sicht für eine transparente Infrastruktur sorgen und Marketern wie Konsumenten das bieten, was sie dringend suchen: Eine in höchstem Maße integre Werbewelt.

Transparenz ist im digitalen Umfeld noch immer eine der drängendsten Herausforderungen und Adtech-Anbieter haben eine besondere Rolle, hier an einer Lösung zu arbeiten. Das Ziel ist am Ende klar: Wir alle müssen es schaffen Anzeigen auszuliefern, die bei einem interessierten Nutzer zum richtigen Zeitpunkt in einem passenden Werbeumfeld ankommen – und das in großem Stile skalierbar. Wenn wir Werbetreibenden offen zeigen, wie wir dieses Ziel erreichen, können wir das notwendige Vertrauen aller beteiligten Personen gewinnen. Anbietern stehen zwei bahnbrechende technologische Entwicklungen zur Verfügung, auf deren Basis sie ein offenes System schaffen können, das programmatische Werbung auf das qualitative Niveau hebt, das es auf Grund seiner zahlreichen Vorteile hat. Die Zukunft des Marketings liegt damit in unseren Händen.