Investitionen in Manpower und Innovation bei Adikteev: Q&A mit Clément Favier, Managing Director Deutschland, Adikteev

Letztes Jahr TradeMob aufgekauft, vor einem Monat eine Kapitalrunde, die 12 Millionen Euro in die Kassen von Adikteev gespült hat: Die Performance-Plattform Adikteev will ihr Deutschlandgeschäft anschieben. Darüber und über Adikteevs Vorhaben, die Qualitätsstandards in der Mobilwerbung gemeinsam mit anderen Marktteilnehmern anzuheben, sprach ExchangeWire mit Clément Favier, Managing Director Deutschland, Adikteev.

ExchangeWire: Es ist knapp ein Jahr her, als Adikteev TradeMob übernahm – Bilanz nach einem Jahr?

Clément Favier, Adikteev

Clément Favier: Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung, denn der Zusammenschluss fruchtet nicht nur in Deutschland, sondern auch international. Die Technologie von Trademob hat sich nahtlos in das Konzept von Adikteev eingefügt. Mit der fortschrittlichen Retargeting-Technologie wollen wir nun insbesondere in den USA wachsen. Dass wir im Bereich Retargeting jetzt schon ganz vorn mitspielen, zeigt der gerade veröffentlichte Retargeting Index von AppsFlyer, der die Performance der Netzwerke weltweit miteinander vergleicht und bei dem sich Adikteev neben den Größen Facebook, Criteo, Google und Twitter einreiht.

Auch der Berliner Standort und das Geschäft in Deutschland entwickeln sich nach unseren Vorstellungen: Im Performance-Bereich sind wir in Deutschland traditionell sehr gut aufgestellt. Daher freut es uns besonders, dass wir im letzten Jahr darüber hinaus unsere Branding-Kompetenz ausspielen und erfolgreiche Kampagnen für Marken wie Montblanc umsetzen konnten.

Im Februar erhielt Adikteev zusätzliche Finanzierung, die u.a. in den Ausbau des Deutschlandgeschäfts gehen soll. Was habt ihr genau vor?

Wir haben in unserer dritten Finanzierungsrunde 12 Millionen US-Dollar von den Investment Funds Ring Capital, ISAI, Ventech und BNP Developpement erhalten. Adikteev zählt zu den zehn am schnellsten wachsenden Unternehmen in Europa, und der Berliner Standort spielt in unserer internationalen Wachstumsstrategie eine zentrale Rolle. Wir investieren vor allem in mehr Manpower: Aktuell arbeiten im Berliner Adikteev-Büro 30 Mitarbeiter. Geplant ist, insbesondere den Bereich Forschung und Entwicklung auszubauen und um 20 Tech-Talente zu verstärken. Außerdem wird das Sales- und Account-Management-Team bis Ende des Jahres um fünf bis zehn Mobile-Experten anwachsen, um sowohl das Branding- als auch Performance-Geschäft voranzubringen. Dadurch wird sich das Team nahezu verdoppeln. Ziel der weiteren Stärkung der Entwicklungstätigkeiten ist es, Adikteev durch technische Exzellenz vom Wettbewerb abzuheben und Produktinnovationen schnell zur Marktreife zu führen. Aber auch die Akquisition neuer Unternehmen ist denkbar, wenn sie Adikteevs Portfolio und Anspruch mit neuen Produkten und Leistungen ergänzen.

Adikteev will eine Initiative für mehr Qualität in der Mobilwerbung anstoßen. Kannst du uns genauer sagen, was geplant ist?

Wir setzen uns für einheitliche Qualitätsstandards bei der Auslieferung interaktiver Mobilanzeigen ein. Klar ist, dass sich mobile Endgeräte wie kein anderes Medium für anlassbezogene, kontextsensitive und interaktive Werbung eigenen. Doch das Potenzial mobiler Werbung ist noch längst nicht ausgereizt: Die Branche wagt vermehrt kreative Ansätze in der Umsetzung mobiler Kampagnen – interaktive Playable und Rich-Media-Ads belohnen Werbetreibende beispielsweise mit deutlich besseren Engagement-Raten. Aber noch immer gibt es eklatante Fehler bei der Umsetzung mobiler Werbung: Teils verdecken Banner auf den kleinen Screens wichtige Inhalte, stören das Nutzererlebnis, laden zu langsam und fressen das Datenvolumen auf. Schlecht gemachte Werbung verprellt nicht nur Brands und verbrennt Budgets, sie strahlt auch negativ auf die gesamte Branche ab. Um diesem Trend entgegenzuwirken und Nutzer vor negativen Werbeerfahrungen zu schützen, schlagen wir in Ergänzung zu den technischen Spezifikationen von IAB und Mobile Marketing Association eine Reihe weiterer Qualitätskriterien vor, die Ladezeiten, Bildfrequenz und Responsivität von Mobile Ads betreffen.

Ist das eine firmeninterne Initiative oder wollt ihr mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten?

Damit die Initiative Schlagkraft entwickelt, wollen wir viele starke Partner an Bord holen: Wir sind bereits im Gespräch mit Unternehmen, mit denen wir hier in Deutschland zusammenarbeiten, aber auch mit Media-Agenturen, die naturgemäß die Interessen von werbetreibenden Unternehmen vertreten. Bisher ist das Feedback ausgesprochen positiv – der Bedarf nach mehr Qualität und einheitlichen Standards in der Mobilwerbung ist längst da! Ein zweiter Schritt wäre dann, an Verbände heranzutreten und die Initiative international auszurollen.

Vor kurzem wart ihr auf dem MWC. Welche Impulse für Adikteev hast du von dort zurückgebracht?

Für uns ist der MWC einerseits ein wichtiger Ort, um aufzuspüren, wie sich die Mobile-Branche generell entwickelt. In diesem Jahr war besonders auffällig, dass es im Smartphone und App-Markt kaum signifikante Entwicklungssprünge gibt und die Telefone nicht mehr im Rampenlicht des Kongresses stehen. Vielmehr zeichnet sich ab, dass sich das mobile Ökosystem generell im grundlegenden Wandel befindet und „Mobile“ in Zukunft ein breites Spektrum von smarten Brillen über Smart-Home-Geräte bis hin zum Auto umfasst. Diese Entwicklung befindet sich aktuell noch in den Kinderschuhen, wird für Werbetreibenden aber in einigen Jahren relevant. Zum zweiten ist das Branchentreffen in Barcelona für uns der Termin im Jahr, um uns mit anderen Playern im Mobile Marketing, Partnern und Kunden auszutauschen. Und hier geht es voran: Wir sehen beispielsweise wesentliche Wachstumsraten bei Retargeting-Kampagnen. Je mehr Budgets in Retargeting fließen, desto wichtiger wird die Exzellenz in der Umsetzung und Qualitätssteigerung mobiler Werbung, und das ist bei Adikteev genau unser Thema.

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