Ads.txt bald auch in den Open Auctions: Q&A mit Viktor Zawadzki, MediaMath

Seit Ende 2017 filtert MediaMath in seinem Curated Market mit Ads.txt unautorisierte Reseller-Angebote aus. Im Gespräch mit ExchangeWire erklärt Viktor Zawadzki, Region Manager DACH, Nordics, Central/Eastern Europe, MediaMath, die Herangehensweise von MediaMath und gibt erste Einblicke in die Umsetzung.

Mediamath hat Ende 2017 verkündet, sich in Zukunft ausschließlich auf Ads.txt verlassen zu wollen. Haben eure Publisher bereits alle entsprechend technisch mitgezogen?

Viktor Zawadzki: Viele Publisher waren Ads.txt gegenüber anfangs etwas zurückhaltend. Deswegen haben wir im vergangenen Jahr zunächst damit begonnen, die durch Ads.txt autorisierten Verkaufswege in unserem Curated Market (kuratierter Mediamarktplatz mit manuell ausgewählten Premiuminventaren) zu implementieren. Mit dem Curated Market gewährleisten wir, dass Werbetreibende ihre Zielgruppen ausschließlich in markensicheren Umfeldern erreichen. Seit einigen Tagen verlangen wir nun, dass alle Publisher im Curated Market über eine Ads.txt-Datei verfügen. Wir planen zeitnah auch in der Open Auction Ads.txt-autorisierte Kaufwege durchsetzen.

Wie begegnet ihr dem Misstrauen von Publishern, die wegen Ads.txt zwangsweise ihre Vendors preisgeben müssen?

Viktor Zawadzki, MediaMath

Wir ermutigen unsere Publisher, ihre Daten so schnell wie möglich zu implementieren und sämtliche Werbetechnologiepartner offen zu legen. Denn es wird immer wieder deutlich, wie Domain-Spoofing die Endergebnisse von Verlagen schädigt und das Vertrauen der Verbraucher in die Marketingbranche beeinträchtigt.

Der Whitelisting-Prozess muss manuell durchgeführt werden – ist das nicht ein Fehlerpotential?

Letztendlich gibt es bei allen manuell durchgeführten Prozessen Fehlerpotenzial. Publisher sollten natürlich gründlich und ständig überprüfen, ob ihre Ads.txt-Datei korrekt ist. Kostenlose Tools wie z.B. Ads.txt Validator können dabei helfen.

Habt ihr schon erste Erkenntnisse über die Wirksamkeit eures Vorstoßes, Ads.txt verbindlich zu machen?

Der effektivste Weg, um die Verbreitung von Ads.txt zu fördern, besteht darin zu zeigen, dass die Initiative die Einnahmen von Publishern steigert. Werbetreibende können auf den Plattformen von Buy-Side-Anbietern wie MediaMath direkt einsehen, welche Publisher Ads.txt implementiert haben. Demzufolge ist zu erwarten, dass Werbebudgets zukünftig auch auf die Publisher umgeschichtet werden, die sich aktiv dafür einsetzen, Ad Fraud zu begrenzen. Firstimpression.io berichtet beispielsweise, dass über 30 Prozent der Top 1000-Websites von Alexa bereits Ads.txt implementiert haben. Ich gehe fest davon aus, dass diese Zahl stetig weiter steigen wird.

Ads.txt ist jetzt seit rund sechs Monaten am Start. Wie muss sich die Ads.txt-Initiative technisch weiterentwickeln, um betrügerischen Inventarverkauf wirksam zu vermeiden?

Ads.txt ist ein vergleichsweise einfaches Werkzeug das Publishern, die es richtig implementiert haben, massive Gewinne bringen wird. Ads.txt kann aber nur sein volles Potenzial ausschöpfen, wenn die Initiative von sämtlichen Premium-Publishern akzeptiert und unterstützt wird. Darüber hinaus sollten nicht nur Publisher, sondern die komplette digitale Werbeindustrie – ob Werbetreibende, Netzwerke oder Technologieanbieter – mithelfen, Ads.txt weiter zu pushen. Erst, wenn die Initiative vollständig anerkannt ist macht es Sinn, über technische Weiterentwicklungen zu sprechen.

 

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